Angola: Investitionsanstrengungen richten sich auf dringend notwendige Diversifizierung der Wirtschaft

 

Auf einen Blick

Während Angolas Wirtschaft weiterhin vorwiegend vom Öl- und Gasgeschäft abhängt, gehen Wachstumsimpulse zunehmend von Nichtölsektoren aus.

Die Liquiditätslage hat sich trotz der Anfälligkeit für Ölmarktvolatilität stabilisiert und die Inflation befindet sich auf einem stetigen Abwärtstrend.

Angolas Auslandsverschuldung konnte von Reformen im Schuldenmanagement und einer umsichtigeren Kreditstrategie profitieren, wenngleich die Schuldendienstbelastung weiterhin beträchtlich ist.

Für einen stabilen Ausblick sind Fortschritte bei der wirtschaftlichen Diversifizierung unabdingbar.

Pro

Große Öl-, Gas- und Diamantenvorkommen

Potenziale im Abbau von Gold, Eisenerz, Lithium und Uran

Investitionsoffensive im umfangreichen Agrarsektor, sowie in IKT, Industrie und Logistikinfrastruktur

Beträchtlicher Zugang zu multilateraler Finanzierung (Weltbank), internationalen Kapitalmärkten und einer zunehmend diversifizierten bilateralen Gläubigerstruktur (China, USA, EU, Golfstaaten)

Kontra

Extreme Abhängigkeit vom Öl- und Gassektor (95 % des Leistungsbilanzeinnahmen und 60 % der öffentlichen Einnahmen)

Bestehende Ölfelder erschöpfen sich

Hohe Importabhängigkeit aufgrund des leistungsschwachen Nichtölsektors

Hohe wahrgenommene Korruption, schwacher Rechtsschutz und mehrmalige Abwertungen des Kwanza beeinträchtigen das Geschäftsumfeld

Anfälligkeit gegenüber dem Klimawande

lStaatsoberhaupt

João Manuel Gonçalves Lourenço (seit dem 26. September 2017)

Beschreibung des Wahlsystems

Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im August 2027 (letzte Wahlen am 24. August 2022); die Präsidentschaft ist auf zwei Amtszeiten von jeweils fünf Jahren beschränkt

Bevölkerung

37,9 Millionen

BIP pro Kopf

2.220 USD

Einkommensgruppe

Niedriges mittleres Einkommen

Hauptexportgüter

Brennstoffe (95 % der Leistungsbilanzeinnahmen), Diamanten (4,7 %)

Vielversprechende Wirtschaftsaussichten, die zunehmend den Nichtölsektoren zu verdanken sind

Seit 2021 hat sich das BIP-Wachstum in Angola nach einer fünfjährigen Rezession erholt und wird in den kommenden Jahren voraussichtlich zwischen 2 % und 3 % liegen. Während die Wirtschaft eine weiterhin hohe Abhängigkeit von Öl und Gas aufweist, sind es die Nichtölsektoren – einschließlich Landwirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologie, Industrie und öffentliche Infrastrukturvorhaben –, die die Konjunktur antreiben. Seit dem Amtsantritt von Präsident Lourenço im Jahr 2017 setzt Angola nach und nach Wirtschaftsreformen um, doch die rückläufige Ölförderung hat die dringende Notwendigkeit einer baldigen und weitergehenden wirtschaftlichen Diversifizierung unterstrichen. 

Angolas Investitionsanstrengung konzentriert sich vorrangig auf die Bereiche Landwirtschaft und Bergbau, sowie auf Infrastruktur- und Logistikvorhaben im Zusammenhang mit dem Lobito-Korridor. Dieser wird mit US- und EU-Mitteln gefördert, was die strategische Bedeutung Angolas für den Westen hervorhebt, während Chinas Dominanz als Angolas wichtigster Kreditgeber schwindet. Der Korridor verbindet den kongolesischen und sambischen Kupfergürtel mit dem Hafen von Lobito, und baut Angolas Rolle als regionales Logistikdrehkreuz aus. Für die Zukunft schafft er auch Transportpotenziale für weitere Sektoren. Die Bergbauindustrie (Gold, Eisenerz, Kupfer, Uran, Lithium etc.) birgt großes Potenzial und dürfte mit der Zeit stärker ins Blickfeld der Investoren rücken.

Angola ist nach wie vor ein bedeutender Exporteur von Diamanten, doch der jüngste Einbruch des Marktes für Naturdiamanten zugunsten von im Labor hergestellten Diamanten hat die Aussichten eingetrübt. Mehr dazu  erfahren Sie in diesem Artikel. Angolas und Botswanas erwartetes Angebot für die Übernahme von De Beers entspricht den Bestrebungen des Landes, die heimische Diamantenproduktion in den kommenden Jahren zu steigern. Unterdessen zieht auch der Energiesektor wieder höhere Investitionen in Raffineriekapazitäten und die Belebung der Öl- und Gasförderung an. Eine weitere Komponente der Investitionsanstrengungen bezieht sich auf die Privatisierung einiger bedeutender Staatsunternehmen, die 2026 Fahrt aufnehmen dürfte. Dabei geht es etwa um das Ölunternehmen Sonangol, das den Verkauf eines Anteils von 30 % plant, oder das Telekommunikationsunternehmen Unitel.

Inflation auf langsamem Abwärtstrend

Mehr als zehn Jahre lang hatte Angola mit hohen Inflationsraten zu kämpfen. Nach einem Höchststand von 31 % Mitte 2024 ging der Druck kontinuierlich zurück und im Januar 2026 fiel die Inflation auf 14,6 %. Der allmähliche Rückgang der Inflation wird sich voraussichtlich fortsetzen und der IWF erwartet für 2027 einen Wert von 10 %, was auf eine straffere Geldpolitik sowie Reformen des Devisenmarkts zurückgeht. 

Im Zuge des IWF-Finanzhilfeprogramms (2018-2021) verpflichtete sich die Regierung zur Durchführung verschiedener kritischer Reformen, wie die Änderung des Mehrwertsteuergesetzes, ein freier schwankender Wechselkurs, ein Privatisierungsprogramm sowie der sukzessive Abbau von Kraftstoffsubventionen. Nach der Einführung einer flexibleren Wechselkurspolitik wertete der Kwanza deutlich ab und Schwankungen auf dem Ölmarkt verursachten Phasen der Volatilität, was zu enormen Schuldendienstverpflichtungen in Lokalwährung und Inflationsdruck führte. Die Banco Nacional de Angola (BNA) interveniert nun mit einem Ansatz des kontrollierten Floatings, um die Volatilität des Kwanza in Zeiten sinkender Öleinnahmen zu glätten. 

Liquidität beruht weiterhin vorrangig auf Öl- und Gassektor

Angolas Liquiditätslage ist nach wie vor zu großen Teilen von Exporteinnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft abhängig. Dieser Sektor erwirtschaftet über 95 % der Devisenzuflüsse, was Angolas extreme Anfälligkeit gegenüber Instabilität auf dem Ölmarkt erklärt. Das Risiko der Preisvolatilität in Kombination mit einem Rückgang der inländischen Produktion hat unmittelbaren Einfluss auf die Liquidität, destabilisiert damit den Wechselkurs und wirkt sich drastisch auf die Schuldendienstverpflichtungen aus, was in den vergangenen zehn Jahren wiederholt beobachtet werden konnte. Der jüngste Anstieg der globalen Energiepreise aufgrund des Krieges im Nahen Osten wird kurzfristig zu höheren Exporteinnahmen führen.

Infolge des Ölpreisrückgangs in den Jahren 2015 und 2016 und der massiven Abnahme der Erdölfördermengen zwischen 2015 und 2021 befinden sich die Währungsreserven in einer anhaltenden Negativspirale. Gleichzeitig hat eine gewisse Stabilisierung der Ölförderung seit 2021 eine Erholung der US-Dollar-Zuflüsse bewirkt und die Reserven seit 2024 auf sechs abgedeckte Monatsimporte steigen lassen. Ungeachtet der Leistungsbilanzüberschüsse, die im Wesentlichen struktureller Natur sind, erhält die BNA bestimmte Devisenkontrollen aufrecht, um ihre Liquiditätslage zu schützen, da volatile Investitionszuflüsse und Kapitalflucht regelmäßig zu Finanzierungslücken in der Zahlungsbilanz führen und die Verfügbarkeit von Hartwährung auf dem Markt unter Druck gerät. Darüber hinaus lässt sich der anhaltende Druck auf die Reserven durch die Importabhängigkeit der angolanischen Wirtschaft erklären, die auf die leistungsschwachen Nichtölsektoren zurückgeht. So hat sich beispielsweise Angolas ertragsarme Landwirtschaft nie vollständig von den Zerstörungen und Einschnitten des Bürgerkriegs (1975-2002) erholt. Es sind jedoch umfangreiche Investitionen geplant, die dieses enorme latente Potenzial erschließen könnten.

Trotz erheblichen Drucks von Schuldendienstverpflichtungen zeigt der öffentliche Schuldenstand Angolas einen positiven Trend

Die Staatsfinanzen zeigen seit einigen Jahren bemerkenswerte Verbesserungen. So sank die Bruttostaatsverschuldung 2025 auf 63 % des BIP. Zuvor hatte der Wert während der Covid-19-Krise einen Höchststand erreicht, vor dem Hintergrund starker Abwertungen des Kwanza und einer zu 90 % auf Fremdwährung lautenden Verschuldung. Das Haushaltsdefizit dürfte in den kommenden Jahren bei rund 3 % des BIP liegen – einem gesunden Wert, der eine relativ stabile Verschuldung bedeutet. Gleichwohl bleibt der Finanzierungsdruck hoch, da allein schon die Zinszahlungen für öffentliche Schulden in den nächsten Jahren voraussichtlich ein Drittel der Staatseinnahmen aufzehren werden. Der Haushalt 2026 enthält sinnvolle Ausgabenanpassungen, die zur Gewährleistung der Stabilität beitragen, während weitere Kürzungen der Kraftstoffsubventionen nach öffentlichen Unruhen im Juli 2025 aufgeschoben wurden. Die im Februar begonnene militärische Operation der USA und Israels gegen den Iran dürfte den Anfang eines beträchtlichen Anstiegs der internationalen Energiepreise bedeuten, der den Steuereinnahmen Angolas, jedenfalls kurzfristig, zugutekommen wird. 

Die Auslandsverschuldung Angolas hat sich seit 2022 dank einer umsichtigeren Kreditstrategie und Reformen im Schuldenmanagement erheblich verbessert. Angola hat die Diversifizierung seiner Gläubigerstruktur erhöht und die extreme Abhängigkeit von chinesischen (besicherten) Schulden reduziert. Außerdem kehrte das Land mit der Eurobond-Emission im Oktober 2025 an die internationalen Kapitalmärkte zurück. Dennoch werden die 2026 und 2027 fälligen umfangreichen Schuldendienste gegenüber dem Ausland das Schuldentragfähigkeitsrisiko verschärfen und den Druck auf die Liquidität erhöhen.

Ausgeprägte Risiken für Angolas makroökonomische Stabilität überwiegen

Das bedeutendste unmittelbare Risiko für Angolas makroökonomische Stabilität beruht auf seiner extremen Abhängigkeit von Exporteinnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft, was das Land für Schocks im Erdölsektor anfällig macht. Zur dauerhaften Aufrechterhaltung der Schuldentragfähigkeit sind Fortschritte bei der wirtschaftlichen Diversifizierung somit entscheidend – ebenso wie die Fortsetzung der umsichtigen Kreditstrategie. Risiken in Verbindung mit politischer Instabilität sind seit dem Amtsantritt von Präsident João Lourenço im Jahr 2017 zurückgegangen. Lourenço führte das Land in die Post-Dos-Santos-Ära, indem er versucht, die jahrzehntelange Vetternwirtschaft und das Staatsversagens aufzuarbeiten und marktorientierte Reformen voranzutreiben. Dennoch haben die hohen Lebenshaltungskosten – in Verbindung mit dem Abbau der Kraftstoffsubventionen, steigenden Bildungskosten und allgemein schwachen sozioökonomischen Bedingungen – öffentliche Unruhen ausgelöst, die im Juli 2025 zu tödlichen Protesten führten. Lourenços Regierungspartei, die Volksbewegung zur Befreiung Angolas (MPLA) wird im Vorfeld der kritischen Präsidentschaftswahlen im Jahr 2027 zunehmend unbeliebt. Das Risiko politischer Unruhen könnte daher im kommenden Jahr weiter steigen. Darüber hinaus ist Angola ausgesprochen anfällig für klimabedingte Schocks, insbesondere schwere Dürren, unberechenbare Niederschläge und anhaltende Trockenheit, die zu Ernteausfällen und zunehmender Ernährungsunsicherheit führen.  Angolas mittel- bis langfristiges politisches Risiko ist in Kategorie 6/7 eingestuft, und die Aussichten werden vorwiegend von der Reduzierung der Öl- und Gasabhängigkeit und der Stabilisierung der Schuldendienstlast abhängen. 

Analystin: Louise Van Cauwenbergh, l.vancauwenbergh@credendo.com

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