Die Lebenserwartung steigt, viele von uns können realistischerweise mit einem sehr langen Leben rechnen. Doch leben wir nur länger oder sind wir nur länger krank? Was bedeutet das konkret – für unsere Gesundheit, unsere Finanzen und unsere Planung für das Alter? Und wie gut sind die Menschen in Deutschland darauf vorbereitet, wenn sie tatsächlich 100 Jahre alt werden? Genau diese Fragen standen im Zentrum der neuen Vorsorgestudie der Versicherungskammer und des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP).
Zentrale Ergebnisse auf einen Blick:
– Die Mehrheit in Deutschland engagiert sich bereits spürbar: Im Schnitt investieren Befragte wöchentlich etwa 2,5 Stunden in ihre Gesundheit und monatlich rund 200 Euro in finanzielle Vorsorge.
– Doch große Hürden bleiben: 47 Prozent geben an, dass fehlendes Geld zusätzliche finanzielle Vorsorge verhindert; 32 Prozent sehen auch beim Thema Gesundheit die finanziellen Möglichkeiten als wichtigsten Engpass.
– Weiterhin werden Zeitmangel, Unsicherheit und Überforderung bei der Wahl passender Angebote sowie organisatorische Schwierigkeiten als Hemmnisse genannt.
– Entscheidend für das Vorsorgeverhalten ist das persönliche Mindset verbunden mit einer positiven Haltung zum Älterwerden.
– Wer das Älterwerden mit Chancen und Lebensqualität verbindet, ist deutlich aktiver, während Menschen mit negativen Erwartungshaltungen das Thema häufig aufschieben.
„Viele wissen um die Bedeutung von Vorsorge, aber es scheitert oft an inneren und äußeren Barrieren – vor allem finanzielle Unsicherheit, Zeitmangel und die Komplexität der Angebote bremsen“, erläutert Dr. Frank Wild, Leiter des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP). „Wir sehen: Neben individuellen Anreizen braucht es verlässliche Rahmenbedingungen und leicht zugängliche Informationen, um Vorsorge wirklich zu fördern.“
Vorsorge hat viele Facetten – und eine Umsetzungslücke
Vorsorge wird von den Befragten nicht nur als Gesundheitsvorsorge verstanden, sondern ebenso als finanzielle und rechtlich-organisatorische Absicherung – etwa durch Vollmachten, Patientenverfügungen oder die Vorbereitung altersgerechten Wohnens.
Klassische Maßnahmen wie Bewegung, gesunde Ernährung und Vorsorgeuntersuchungen werden als besonders sinnvoll eingeschätzt. Deutlich seltener umgesetzt werden hingegen finanzielle und rechtlich-organisatorische Maßnahmen. In allen Bereichen zeigt sich eine klare Lücke zwischen „für wichtig halten“ und „tatsächlich tun“ – besonders bei Vorsorgevollmachten, Nachlassregelungen und der Planung des Wohnumfelds im Alter.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Vorsorge in Deutschland grundsätzlich auf hohe Zustimmung stößt. Wir sehen kein Bewusstseinsproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“, erklärt Dr. Wild. „Gerade vor dem Hintergrund steigender Lebenserwartungen wird das zunehmend zu einer gesellschaftlichen Herausforderung. Entscheidend sind positive Zukunftsperspektiven, finanzielle Handlungsspielräume und verlässliche Rahmenbedingungen – einschließlich klarer politischer Signale zur Rolle der individuellen Eigenvorsorge.“
Mentale Einstellung zum Alter prägt Vorsorgeverhalten
Ein wesentlicher Einflussfaktor ist die innere Haltung zum Altwerden. Wer das Alter vor allem mit Verlusten, Abhängigkeit und finanziellen Sorgen verbindet, empfindet Vorsorge häufig als belastend und schiebt entsprechende Entscheidungen vor sich her. Menschen, die das Alter mit Chancen, Selbstbestimmung und Lebensqualität verbinden, gestalten ihre Vorsorge deutlich aktiver und umfassender.
„Ein langes Leben ist eine große Chance, bedeutet aber auch neue Herausforderungen“, sagt Martin Fleischer, Vorstandsmitglied Personenversicherung im Konzern Versicherungskammer. „Unsere Studie zeigt: Vorsorge umfasst heute weit mehr als nur Gesundheitsfragen. Sie muss ganzheitlich gedacht werden – als Zusammenspiel von Eigenverantwortung, gesundheitsfördernden Strukturen, staatlicher Unterstützung sowie gezielter und individueller Beratung.“
Gesundheit und finanzielle Absicherung seien untrennbar miteinander verbunden, so Fleischer: „Ohne das eine bleibt das andere unvollständig. Vorsorge ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe: Staat, Gesundheitssystem und wir als Versicherer tragen Verantwortung – aber auch jeder Einzelne. Es ist nie zu spät, sich mit der eigenen Vorsorge zu beschäftigen.“
Zeit, Geld und Strukturprobleme bremsen die Vorsorge aus
Die Studie zeigt: Finanzielle Engpässe, Zeitmangel, organisatorische Schwierigkeiten und die Komplexität der Angebote zählen zu den wichtigsten Hemmnissen.
Über die Studie
Die Studie „Langlebigkeit und Vorsorge – Ergebnisse einer Bevölkerungsbefragung in Deutschland“ basiert auf einer standardisierten Onlinebefragung von 3.000 Personen im Alter von 16 bis 79 Jahren in Deutschland. Die Stichprobe wurde online-repräsentativ nach Alter, Geschlecht, Region und Siedlungsstruktur aufgebaut. Erhoben wurden Einstellungen zum Altwerden, subjektive Lebenserwartung, Verständnis und Umsetzung von Vorsorgemaßnahmen in den Bereichen Gesundheit, Finanzen und rechtlich-organisatorische Vorsorge sowie die Nutzung digitaler Gesundheitsangebote.
Weiterführende Informationen und Bildmaterial:
– Die ausführliche Studie, Grafiken und Bildmaterial stehen unter dem folgenden Link zum Download (https://www.konzern-versicherungskammer.de/presse/pressemitteilungen/2026/22062026_vorsorgestudie_2026.html#downloads) zur Verfügung und können für die mediale Berichterstattung verwendet werden.
Konzern Versicherungskammer
Der Konzern Versicherungskammer ist bundesweit der größte öffentliche Versicherer und befindet sich unter den Top 10 der Erstversicherer in Deutschland. Mit seinen regional tätigen Gesellschaften ist das Unternehmen in Bayern, der Pfalz, im Saarland sowie in Berlin und Brandenburg tätig. Der Krankenversicherer der S-Finanzgruppe ist zusammen mit den anderen öffentlichen Versicherern bundesweit tätig.
Von großer Bedeutung ist das gesellschaftliche Engagement des Konzerns Versicherungskammer. Die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Strategie der Förderung ehrenamtlicher Einrichtungen und Initiativen, die insbesondere im Bereich der Prävention und Sicherheit tätig sind, wird seit einigen Jahren zusätzlich gestärkt durch die beiden Stiftungen, Versicherungskammer-Stiftung und Versicherungskammer-Kulturstiftung. Zudem ist der Konzern Versicherungskammer mit dem Zertifikat „Beruf und Familie“ als familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet. Er hat rund 7.900 Beschäftigte, davon rund 350 Auszubildende.
Pressekontakt:
Dr. Frank Wild
Institutsleiter, Wissenschaftliches Institut der PKV (WIP)
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