Geopolitische Spannungen, Zollkonflikte und eine schwache Konjunktur prägen das wirtschaftliche Umfeld. Dennoch haben sich die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken im Geschäftsjahr 2025 erfolgreich behauptet. Das operative Ergebnis legte auf 2,2 Milliarden Euro (plus 7,1 Prozent) und damit ein neues Allzeithoch zu. Das Ergebnis vor Steuern in Höhe von knapp über 1,8 Milliarden Euro lag leicht über dem Vorjahresniveau von knapp unter 1,8 Milliarden Euro.
„Die genossenschaftlichen Institute sind und bleiben verlässliche Partner für Unternehmen und Privatpersonen – gerade in herausfordernden Zeiten“, sagte Stefan Müller, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), anlässlich der Bilanzpressekonferenz der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken am Dienstag in München.
Bilanzsumme wächst – Banken werden größer
Die Bilanzsumme der 175 bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken stieg 2025 um 2,9 Prozent beziehungsweise rund sechs Milliarden Euro auf 216,4 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Bilanzsumme je Institut erhöhte sich auf mehr als 1,2 Milliarden Euro. Die Institute verfügen weiterhin über eine solide Eigenkapitalausstattung. Das Kernkapital ist in absoluten Werten von 20,9 auf 22,2 Milliarden Euro gewachsen. Die Kernkapitalquote ging aufgrund regulatorischer Effekte geringfügig von 17,2 Prozent auf 17,1 Prozent zurück.
Kreditgeschäft legt zu – Fokus auf langfristige Finanzierungen
Die Kreditvergabe wuchs insgesamt um 3,8 Prozent auf 147,7 Milliarden Euro. Dabei zeigt sich eine klare Verschiebung bei den Laufzeiten: Kurz- und mittelfristige Ausleihungen gingen um 4,9 Prozent zurück, während langfristige Kredite um 5,1 Prozent zulegten. Kundinnen und Kunden sichern sich damit zunehmend langfristige Finanzierungskonditionen.
Firmenkundengeschäft mit moderatem Wachstum
Das Kreditvolumen bei Firmenkunden stieg um 2,8 Prozent beziehungsweise 2,1 Milliarden Euro und damit langsamer als im Vorjahr. Nach Einschätzung von GVB-Vorstandsmitglied Alexander Leißl spiegelt dies die konjunkturelle Schwäche sowie die Zurückhaltung vieler Unternehmen wider.
„Von einer Kreditklemme kann keine Rede sein“, betonte Leißl. „Solide aufgestellte mittelständische Unternehmen erhalten weiterhin Kredite. Gleichzeitig gewinnt die Risikobewertung angesichts veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen an Bedeutung.“ Die Banken hätten ihre Bewertungsmaßstäbe nicht verschärft; veränderte wirtschaftliche Fundamentaldaten einzelner Unternehmen wirkten sich jedoch auf die Kreditbeurteilung aus.
Privatkunden treiben Kreditwachstum
Deutlich dynamischer entwickelte sich das Privatkundengeschäft. Hier legten die Kredite um 4,7 Prozent beziehungsweise 2,9 Milliarden Euro zu. Haupttreiber waren Wohnungsbaukredite.
Das Neugeschäft im Wohnungsbau belief sich 2025 auf rund 17,3 Milliarden Euro und lag damit etwa 30 Prozent über dem Vorjahreswert von 13,3 Milliarden Euro. Damit nähert sich das Volumen wieder den Spitzenjahren 2020 bis 2022 an. „Nach wie vor stehen Investitionen in Bestandsimmobilien im Zentrum. Um den weiterhin hohen Bedarf an Wohnraum zu decken, braucht es jedoch deutlich mehr Neubauaktivität“, mahnte Leißl.
Kundengelder wachsen stabil
Die bilanziellen Kundengelder erhöhten sich 2025 um 3,4 Prozent beziehungsweise 5,5 Milliarden Euro auf 166,7 Milliarden Euro. Damit lag die Wachstumsrate auf dem Niveau des Vorjahres. Nach einem Rückgang im ersten Quartal entwickelte sich das Einlagengeschäft im Jahresverlauf positiv. Besonders stark fiel traditionell das vierte Quartal aus, das mit einem Plus von 2,6 Prozent maßgeblich zum Jahresergebnis beitrug.
Sichteinlagen stellen weiterhin mit rund 62 Prozent den größten Anteil an den Kundengeldern. Umschichtungen in Termineinlagen spielten – anders als in den Vorjahren – kaum noch eine Rolle.
Mehr Wertpapierkunden und steigende Erträge
Der Trend zur Geldanlage an den Kapitalmärkten hält an. Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken eröffneten im vergangenen Jahr per Saldo 32.000 neue Wertpapierdepots. Auch durch diese gute Nachfrage legte das Provisionsergebnis von 1,4 Milliarden Euro auf 1,44 Milliarden Euro zu. Ebenso stieg der Zinsüberschuss von 3,5 Milliarden Euro auf 3,8 Milliarden Euro – auch aufgrund von Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Damit liegen sowohl der Zinsüberschuss als auch das Provisionsergebnis auf einem neuen Allzeithoch. Die CIR ist von 60,4 Prozent auf den historisch niedrigen Stand von 59,8 Prozent gesunken. Diese Entwicklung zeigt: Die Banken sind effizient und profitabel.
An der Goldrallye der vergangenen Wochen nahmen auch die Kunden der bayerischen VR-Banken teil: So stiegen die Provisionserträge aus dem Geschäft mit Devisen, Sorten und Edelmetallen um fast 60 Prozent.
Politik muss Wachstum ermöglichen
Trotz leicht verbesserter Konjunkturerwartungen mahnt GVB-Präsident Müller zur Zurückhaltung. „Das zarte Pflänzchen der Erholung muss gepflegt werden. Ohne Reformen, spürbaren Bürokratieabbau, steuerliche Entlastungen, wettbewerbsfähige Energiekosten und mehr unternehmerische Freiheit wird nachhaltiges Wachstum nicht gelingen.“ Kritisch sieht Müller, dass die Konjunktur derzeit in erheblichem Maße von staatlichen Investitionen getragen wird.
Entlastungen fordert Müller auch für die Kreditwirtschaft: „Ich begrüße es sehr, dass inzwischen über ein eigenständiges Kleinbankenregime diskutiert wird. Der bisherige „One-size-fits-all-Ansatz“ stößt an seine Grenzen. Regulierung muss sich konsequent an tatsächlichen Risiken und an Proportionalität orientieren.“
Altersvorsorge, Zahlungsverkehr und digitaler Euro
Nachholbedarf sieht Müller zudem bei der Altersvorsorge. „Anlegerinnen und Anleger in Deutschland profitieren bislang zu wenig von den Chancen der Kapitalmärkte – insbesondere mit Blick auf die Altersvorsorge. Deshalb fordert der GVB Nachbesserungen bei den aktuellen Konzepten der Bundesregierung. „Das Altersvorsorgedepot kann ein wirksames Instrument sein, um die Altersvorsorge zukunftsfähig zu machen – aber nur, wenn es richtig ausgestaltet ist. Im aktuellen Entwurf bremsen zu niedrige Förderbeträge und die geplante Besteuerung in der Auszahlungsphase den neuen Ansatz in der Altersvorsorge aus“, betont Müller.
Einen derzeit diskutierten Kostendeckel lehnt der GVB ebenfalls ab. „Der diskutierte Preisdeckel bei der privaten Altersvorsorge ersetzt Wettbewerb durch staatliche Vorgaben. Dadurch wird das Produkt komplex und unattraktiv“, erklärt Müller.
Große Chancen erkennt Müller im europäischen Bezahldienst Wero, der derzeit in zahlreichen Ländern ausgerollt wird. Ziel sei es, die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern zu verringern. Inzwischen nutzen fast 50 Millionen Menschen in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und den Beneluxstaaten Wero.
Kritisch äußerte sich der GVB-Präsident zum digitalen Euro: „Notenbanken dürfen keine konkurrierenden Zahlungssysteme zu privatwirtschaftlichen Lösungen aufbauen. Ein digitaler Euro darf nicht mehr sein als ein digitales Abbild des Bargeldes und keinesfalls die Finanzstabilität gefährden.“
Die Unterlagen zur Bilanzpressekonferenz finden Sie hier (https://www.gv-bayern.de/pressemitteilungen/2026/3/bayerische-volks-und-raiffeisenbanken-steigern-gewinn-und-wachsen-weiter.html).
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