Erstmals liegen Undercover-Aufnahmen mit versteckten Kameras aus einem Tönnies-Schlachthof (Kellinghusen, Schleswig-Holstein) vor. Das Material stammt aus März und April und zeigt, wie Schweinen, die noch leben, Füße abgeschnitten werden. Regelmäßig werden fehlbetäubte Tiere entblutet, mit der Folge, dass sie ihre Tötung bei Bewusstsein erleben. Und Tiere werden routinemäßig geschlagen und in Gittern eingeklemmt. Animal Rights Watch (ARIWA) erstattet Strafanzeige gegen den Schlachtkonzern Tönnies mit Hauptsitz in NRW. Heute berichtet der NDR (https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/geheime-aufnahmen-missstaende-in-kellinghusener-grossschlachterei,schlachterei-112.html).
Weiterhin zeigen die Videos den Todeskampf der Tiere mit Atemnot, Panik und Schmerzen. Etwa eine halbe Minute kämpfen die Schweine verzweifelt gegen das Ersticken, bevor sie das Bewusstsein verlieren. Sie schreien, strampeln und schlagen mit ihren Köpfen gegen den Käfig. Die Aufnahmen zeigen den umstrittenen Standard, mit dem rund 80 % aller Schweine im Schlachthof mittels CO2 betäubt werden.
Anna Schubert, Sprecherin von ARIWA, kommentiert:
„Das ist illegal, was hier passiert, und zeigt den Standard der Branche. Kaum jemand weiß, dass unter solchen Umständen Schweinefleisch produziert wird. Würden solche Videos im Supermarkt laufen, würde das keiner kaufen.“
„Tiere dürfen bei einer Betäubung keine Schmerzen haben. Hier sehen wir aber, wie sie Höllenqualen durchleiden. Und anstatt diese Tierquälerei zu verbieten, schauen die Behörden weg und tun einfach nichts dagegen.“
„Ganz tief mit drin stecken die Veterinärämter. Tierärzte sollen Tiere schützen. Stattdessen unterstützen sie das System der Tierquälerei. Wenn man sieht, wie Schweine schreien, sich wehren und mit Schlägen in diese Gruben gezwungen werden, wie kann man da einfach wegschauen? Und das auch noch als Tierärztin?“
„Die Politik versucht, mit scheinheiligen Gesetzen zur Videoüberwachung so zu tun, als würde sich etwas verbessern. Was ändert Videoüberwachung am Erstickungskampf der Schweine? Gar nichts.“
„Wenn schon die Betäubung so aussieht, die eigentlich Leid verhindern soll, wie soll das dann jemals ohne Quälerei ablaufen? Schlachtung wird immer ein Kampf ums Überleben bleiben.“
ARIWA hat Tönnies mit den konkreten Vorwürfen konfrontiert. Der Konzern nahm dazu jedoch keine inhaltliche Stellung.
Die Aufnahmen stammen aus der R. Thomsen EU-Großschlachterei GmbH in Kellinghusen (Landkreis Steinburg, Schleswig-Holstein). Der Betrieb gehört zum Schlachtkonzern Tönnies, der heute unter dem Namen Premium Food Group firmiert. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Rheda-Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen) zählt zu den größten Fleischproduzenten Europas. Da sich der Unternehmenssitz in Nordrhein-Westfalen befindet, hat ARIWA Strafanzeige gegen den Konzern bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Dortmund (Zentralstelle für die Verfolgung der Umweltkriminalität) in Nordrhein-Westfalen erstattet. Diese Anzeige wurde an die Staatsanwaltschaft in Itzehoe abgegeben. Weitere Informationen: https://www.ariwa.org/toennies
Fotos: https://www.flickr.com/gp/animalrightswatch/8WTFY0T239
Videomaterial zur honorarfreien Verwendung (Quellenangabe: Animal Rights Watch e.V.) erhalten Sie auf Nachfrage.
Animal Rights Watch e.V. (ARIWA) deckt mit investigativen Recherchen die Zustände in der Tierwirtschaft auf. Mit rund 25 Ortsgruppen bundesweit setzt sich ARIWA für das Ende jeglicher Tierausbeutung ein.
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Anna Schubert
Agrarreferentin, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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