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Europaweiter Vergleich: Deutschen Banken fehlt es an Effizienz





Frankfurt am Main, 3. Dezember 2019 – Die europäische Bankenlandschaft befindet sich in einer anhaltend angespannten Situation. Das ist das Ergebnis einer Studie von BearingPoint, in welcher insgesamt knapp 130 Banken aus Europa bewertet wurden. Grundlage ist eine interne Analyse der Jahresabschlüsse dieser Finanzinstitute. Die Studie zeigt, dass alle europäischen Institute unter dem gleichen schwierigen Marktumfeld leiden. Für deutsche Banken stellt sich die Lage jedoch besonders prekär dar.

Hauptgrund für die angespannte Stimmung: Die Kosten europäischer Banken sind weiterhin zu hoch – das zeigt vor allem die aggregierte Cost-Income-Ratio (CIR) von 58,9 Prozent (2018). Mehr als die Hälfte der analysierten Institute wiesen in diesem Zeitraum eine CIR von über 55 Prozent auf. Die Profitabilitäts- und Effizienzlage deutscher Banken ist dabei besonders herausfordernd: Die operativen Ergebnisse sanken seit 2013 um insgesamt 28 Prozent und konnten somit die Inflation nicht decken. Ursache für die mangelnde Kosteneffizienz sind unter anderem fehlende Modernisierungs- und Digitalisierungsmaßnahmen innerhalb der Finanzinstitute. BearingPoint-Partner und Studienautor Frank Hofele: „Vielen europäischen Banken fehlt es deutlich an Effizienz. Punktuelle Digitalisierungsmaßnahmen bringen bisher nicht den gewünschten Erfolg. Viele Institute scheuen die notwendigen Transformationen. Wer die technologischen Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung nicht nutzt und zudem die notwendige Fokussierung auf ein klar definiertes Kern- und Produktgeschäft ausblendet, wird langfristig nicht erfolgreich sein.“

Gewinnsteigerung auf Kosten der Risikovorsorge
Die fehlende Effizienz und das steigende Risiko der deutschen Banken belasten den Markt dabei langfristig. Bleiben die Institute hier untätig, wird sich der Druck auf die Profitabilität in Zukunft weiter erhöhen. Erstmals sinkt die Eigenkapitalquote europäischer Banken in 2018 wieder und eine weitere Bedrohung steckt in der Risikovorsorge: In den vergangenen Jahren bauten die Banken 63 Prozent ihrer Risikovorsorge ab und verbesserten dadurch ihr Ergebnis. Ob sich die ökonomische Kreditqualität in diesem Maße verbessert hat, ist ungewiss. „Wenn vor dem Hintergrund der Konjunkturflaute Kredite nicht mehr bedient werden können, werden die Banken wieder zunehmend Risikovorsorge aufbauen müssen und zusätzliche Ergebniseinbrüche erleiden“, so Hofele.

Ausbau des Provisionsgeschäfts: Bemühungen reichen bisher nicht aus
Als Reaktion auf das anhaltend schwierige Zinsumfeld bauen viele Banken vermehrt ihr Provisionsgeschäft aus. Vor allem die Steigerungen der Provisionsmarge in Italien, Spanien & Portugal sowie in den Nordics bestätigen den europäischen Trend, wegbrechende Zinserträge zum Teil durch das Provisionsgeschäft zu kompensieren. Ausbleibende Zinserträge können so zwar partiell aufgefangen werden, die Bemühungen, die Provisionsmarge zu steigern, reichen bisher aber nicht aus. Echte Erfolge verzeichnen hierbei lediglich die mittleren und kleinen Institute, die ihre Provisionsüberschüsse um 16 Prozent beziehungsweise 17 Prozent steigern konnten. Diesen fällt es leichter, digitalen Trends im Provisionsgeschäft zu folgen und die ganzheitliche Digitalisierung von Services voranzutreiben. Deutschland ist im europäischen Vergleich mit einer stagnierenden Provisionsmarge von 0,4 Prozent wohl im Begriff, von den Wettbewerbern abgehängt zu werden.

Generell ist der Wettbewerbsdruck in der einst von Markteintrittsbarrieren geprägten Finanzbranche in den letzten Jahren stark gestiegen. „FinTechs“, „BigTechs“ und Digitalbanken drängen mit klarem Produktfokus und hochskalierten Prozessen in den Markt und sorgen neben einem steigenden Innovationsdruck auch für einen höheren Transparenzgrad, so die Studie.

„Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Banken neben weiteren Kostenoptimierungen auch neue Ertragsfelder sichern. Die dafür notwendigen Service- und Produktinnovationen müssen an einer klar definierten Kundenzielgruppe ausgerichtet sein. Von der Unkompliziertheit und Agilität im Marktauftritt sowie in der B2C-Beziehung von FinTechs sollten die Etablierten lernen, gleichzeitig aber vermeiden, sich abseits des Kerngeschäfts zu verzetteln und wertvolle Ressourcen zu binden“, empfiehlt Thomas Steiner, Globaler Leiter Banking & Capital Markets, abschließend.

Möglichkeiten und Wege in die Zukunft diskutiert BearingPoint mit Banken, FinTechs und weiteren Vertretern der Finanzbranche auch auf dem 3. Financial Services Summit am 23. Juni 2020 in Frankfurt am Main.

Über die Studie
Die Studie basiert auf der Analyse von 124 europäischen Banken. Die Stichprobe umfasst circa 70 Prozent der von der EZB und den Nicht-EU Zentralbanken ausgewiesenen aggregierten Bilanzsummen des europäischen Bankensektors. Als Grundlage dient die interne Analyse der Jahresabschlüsse für den Zeitraum von 2013 bis 2018. Die Studie wurde nach 2015 und 2018 bereits zum dritten Mal durchgeführt.

Kurz-URL: https://www.88finanz.de/?p=1776041





Erstellt von an Dez 3 2019. geschrieben in Banken. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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