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Hoffnungsträger der Weltwirtschaft gesucht: USA!





In den letzten 13 Jahren verliefen die deutschen Auftragseingänge ähnlich wie ihr Pendant in den USA für langlebige Güter ohne Transport. Seit 2013 allerdings ziehen die USA an Deutschland vorbei. Dies würde übrigens auch gelten, nähme man die erst seit wenigen Jahren verfügbare um Großaufträge bereinigte Reihe. Woran liegt das? Offensichtlich steht der amerikanischen Industrie ein dynamischer Binnenmarkt zur Verfügung, was für die heimischen Unternehmen nicht mehr gilt.
Die Eurozone als “deutscher Binnenmarkt”, in die immer noch gut 37 % der Waren gehen, wird gehemmt durch wichtige Reformverweigerer wie Frankreich und Italien. Nur Spanien kommt allmählich aus der Krise. Hinzu kommt die belastende Ukraine- und Russlandkrise. Nicht zuletzt ermöglicht die amerikanische im Gegensatz zur hiesigen Energiepolitik den Unternehmen den Bezug von günstigem Gas, Öl und Strom. Dies bringt zunehmend einen Industrialisierungsschub beispielsweise in der Chemie in Gang, während Deutschland als Standort verliert. Dies wird mittelfristig die Dynamik hierzulande belasten. Zumindest im Juli sollten die deutschen Aufträge nach dem starken Rückgang im Vormonat, der durch das Ausbleiben von Großaufträgen verursacht worden war, wieder ansteigen.
Wochen-Quartals-Tangente
Die Geopolitik ist zurück. Nachdem sich die Ukraine-Krise zwar nicht verflüchtigte, sie jedoch aus dem Fokus der Finanzmärkte geriet, meldet sich der Konflikt mit Vehemenz zurück. Russische Truppen stoßen in der Ostukraine vor, ein Abflauen der kriegerischen Auseinandersetzung rückt in weite Ferne. Während sich an den Aktienmärkten zu Wochenbeginn noch die Erholung fortsetzte bzw. in den USA sogar neue Höchststände verzeichnet wurden, verringerten sich insbesondere beim DAX die Zugewinne. Sicherheit war dagegen gefragt: Zehnjährige Bundesanleihen rentierten bereits unter 0,9 %, der Goldpreis stieg. Zudem verschlechterten sich einige wirtschaftliche Stimmungsindikatoren in der Eurozone spürbar. In den USA überraschten die Zahlen hingegen eher positiv. Kein Wunder, dass der Euro-Dollar-Kurs auf ein neues Jahrestief fiel.
Auch wenn politische Prognosen besonders schwer fallen, so ist dennoch davon auszugehen, dass in den kommenden Tagen einmal mehr die Lage in der Ukraine im Fokus steht. Eine Ausweitung der Sanktionen des Westens gegenüber Russland zeichnet sich ab, wenngleich Entscheidungen wohl noch auf sich warten lassen. Damit wächst die Gefahr einer Sanktionsspirale mit dann zunehmenden wirtschaftlichen Rückwirkungen – die Eintrübung der Unternehmerstimmungen ist bereits ein Indiz hierfür. In der Berichtswoche wird sich das aber kaum in den Daten widerspiegeln.
So sollten sich die deutschen Auftragseingänge etwas erholen. In den USA dürfte sich die Unternehmerstimmung etwas abkühlen. Der Arbeitsmarkt dagegen bleibt vermutlich robust (S. 5). Große Aufmerksamkeit wird den Notenbanken gewidmet. Die Bank of England wird trotz erster Stimmen für Zinsanhebungen in der Warteposition verharren. Gleiches gilt für die Bank of Japan, deren nächster Schritt jedoch in Richtung einer noch expansiveren Geldpolitik geht. Im Mittelpunkt steht aber eindeutig die EZB. Ihr Präsident Draghi schürte zuletzt mit seiner Mahnung vor zu geringen Inflationserwartungen Fantasien. Das avisierte ABS-Kaufprogramm könnte konkretisiert werden. Andere Entscheidungen bleiben wohl aus, die Aussicht auf ein Staatsanleihekaufprogramm wird jedoch am Köcheln gehalten (S. 4). Für Aktien und den Euro dominieren die Abwärtsrisiken, Renten scheinen aktuell unverwundbar.
EZB: Notenbank im Dauerkrisenmodus
Mario Draghi hat durchblicken lassen, im Notfall die “Gelddruckmaschine” anzuwerfen, um eine Deflation im Euroraum zu verhindern. Durch seine jüngste Rede hat er für die anstehende Sitzung des EZB-Rats erneut hohe Erwartungen geweckt. Angesichts der bereits beschlossenen Maßnahmen ergibt sich u. E. jedoch kein unmittelbarer Handlungsdruck.
EZB ist alarmiert
Für sinkende Renditen im Euroraum sorgte neben dem sich zuspitzenden Konflikt in der Ukraine die Rede von Mario Draghi beim Treffen der Notenbankchefs in Jackson Hole. Der EZB-Präsident sieht die Euro-Konjunktur in einer ernsten Lage. Der jüngste deutliche Rückgang des ifo- Geschäftsklimaindex wirkte wie eine Bestätigung: Selbst die bislang relativ robuste Konjunktur Deutschlands scheint verletzlicher als erwartet. Die zuletzt markant sinkenden Inflationserwartungen an den Finanzmärkten haben Draghi zusätzlich alarmiert. Der Rückgang der Euro-Teuerung im August auf 0,3 % verstärkt optisch diese Entwicklung. Zu beachten ist allerdings, dass die Kernrate gleichzeitig auf 0,9 % angestiegen ist. Trotzdem wird hierdurch die Spekulation angeheizt, dass bald alle Register gezogen werden müssen, um die Inflationserwartungen im Euroraum zu stabilisieren. Grundlage ist das Bekenntnis des EZB-Chefs, im Rahmen des Mandats gegebenenfalls alle verfügbaren Instrumente einzusetzen.
Draghi skizziert seine “Gelddruckmaschine”
Dass sich Mario Draghi alle Optionen offen hält, ist nichts Neues. Sie gewinnen lediglich durch die angespannte konjunkturelle Situation im Euroraum mehr Gewicht. Die Effekte eines QEProgramms, also das Ankaufen von Staatsanleihen, wären angesichts bereits rekordtiefer Renditen im Euroraum begrenzt und würden letztlich nur das Risiko von Blasen an den Finanzmärkten erhöhen. Will man effektiv die Inflationserwartungen anheizen, so ist ein zweites Element notwendig: eine expansivere Fiskalpolitik. Dieser Ball wurde in Jackson Hole durch Draghi ins Rollen gebracht, als er die europäischen Staaten aufforderte, ihre Haltung diesbezüglich zu überprüfen.
Auch wenn Finanzminister Schäuble die Äußerungen Draghis als “überinterpretiert” darstellte, so tobt doch ein erbitterter Richtungskampf um die Ausrichtung die Fiskalpolitik. Besonders hart wird dieser in Frankreich geführt, was letztlich zu der schweren Regierungskrise führte.
Kein unmittelbarer Handlungsdruck
Durch seine jüngste Rede hat Mario Draghi für die anstehende Sitzung des EZB-Rats erneut hohe Erwartungen geweckt. Einige Anleger setzen wohl auf eine weitere Zinssenkung. Angesichts der bereits beschlossenen Maßnahmen ergibt sich u. E. kein unmittelbarer Handlungsdruck. Die Wirkung der für September und Dezember anstehenden neuen Langfristtender mit einem Volumen von 400 Mrd. Euro dürften zunächst einmal abgewartet werden. Allerdings könnte der Startschuss für den Ankauf von ABS-Papieren schon bald abgegeben werden. Der EZB-Chef hat angedeutet, dass die Vorbereitungen hierfür rasch voranschreiten.
USA: Start in den Herbst – etwas trübere Daten?
Am Montag der Berichtswoche ist Labor Day: ein Feiertag, der das inoffizielle Ende des Sommers markiert und für die meisten Schüler und Studenten in den USA der Tag, nach dem “der Ernst des Lebens” wieder beginnt. Wie immer zum Monatsbeginn folgen in den nächsten Tagen wichtige Daten auf dem Programm. Die Einkaufsmanagerindizes des ISM werden von den sehr hohen Juliständen wohl leicht nachgeben. Am Freitag steht dann der monatliche Arbeitsmarktbericht an.
Bei den Stimmungsindikatoren stellt sich derzeit die Frage, ob der unerwartete Anstieg der Einkaufsmanagerindizes Richtung zyklischer Höchststände nur eine Gegenbewegung zur Delle am Jahresanfang war oder tatsächlich einen Boom im zweiten Halbjahr signalisiert. Wir gehen davon aus, dass die Wahrheit dazwischen liegt. Auf Basis der historischen Zusammenhänge zwischen ISM-Index und Wachstum würden die aktuellen Indexstände ein spürbares Anziehen der Vorjahresrate beim realen Bruttoinlandsprodukt implizieren. Laut ISM passt ein Index in der Industrie von 57,1 wie im Juli zu einem Wachstum von 4,6 %. Tatsächlich lag die Vorjahresrate im Q2 nur bei 2,4 %. Der Gesamtindex außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes verzeichnete mit 58,7 sogar den höchsten Stand seit seiner ersten Veröffentlichung Anfang 2008. Es ist wahrscheinlich, dass die Stimmungsindikatoren sich zunächst etwas abschwächen, obwohl wir für das zweite Halbjahr mit annualisierten Wachstumsraten von immer noch über 3 % gegenüber Vorquartal rechnen. Die auf vergleichbarer Basis zum ISM-Index berechneten regionalen Indikatoren der New York und Philadelphia Fed sind zuletzt gefallen. Für den August rechnen wir daher auch mit Rückgängen der ISM-Indizes inner- und außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes (auf 56,0 und 57,0).
Wieder 200.000+ ?
Der Arbeitsmarkt hat in den vergangenen Monaten durch eine ungebrochene Serie von sechs Nettostellenzuwächsen (zum Teil deutlich) oberhalb der 200.000 überzeugt. Seit Dezember 2013 ist die Beschäftigung trotz der markanten Wachstumsdelle im Q1 um 1,6 Mio. gestiegen. Wird im August diese Serie unterbrochen? Die Datenlage deutet keine unterliegende Abschwächung des Stellenaufbaus an. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung hat sich zuletzt unterhalb von 300.000 bewegt. Die Verbraucherumfrage des Conference Board verzeichnete einen neuen zyklischen Bestwert bei der Arbeitsmarktkomponente. Wir rechnen daher mit einem Stellenaufbau von über 200.000. Allerdings zeigt die Erfahrung mit der volatilen Reihe der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft, dass es stets früher oder später zu einem “Ausreißer” kommt.
Zudem ist denkbar, dass sich die sonst im Juli üblichen Betriebsferien in der Automobilindustrie wegen der hohen Nachfrage in diesem Jahr unterdurchschnittlich bemerkbar gemacht haben. War dieser negative Effekt im Juli kleiner als normal, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die übliche positive Gegenbewegung im August ausbleibt und der Sektor Fahrzeugbau diesmal enttäuscht.
Selbst wenn es dazu kommen sollte, ist dies aber ein statistischer Effekt, der keine Neueinschätzung der allgemeinen Lage am Arbeitsmarkt erforderlich macht. Selbst Fed-Chefin Janet Yellen hat zuletzt öffentlich zugegeben, dass die Erholung am Arbeitsmarkt schneller voran geht als bisher von ihr erwartet und dass, wenn sich dies fortsetzt, die Zinswende früher kommen könnte als derzeit avisiert. Die Arbeitslosenquote dürfte im August wieder leicht auf 6,1 % gefallen sein.

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Erstellt von an Aug 29 2014. geschrieben in Allgemein, Sonstige. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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