„KI trennt im Interim Management die Spreu vom Weizen“ – Experte Marco Behnke warnt vor einer neuen Marktselektion

Die Rolle von Führungskräften verändert sich derzeit schneller als in den vergangenen Jahrzehnten. Während viele Unternehmen noch über Digitalisierung sprechen, beginnt im Management bereits die nächste Phase: der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Entscheidungsprozessen.

Der deutsche Interim Manager und Fachbuchautor Marco Behnke – Der Interim Manager™ beobachtet diese Entwicklung seit Jahren in Mandaten im Mittelstand und bei Private-Equity-geführten Unternehmen.

Seine Einschätzung ist klar.

„Künstliche Intelligenz ersetzt keine Führungskräfte. Aber sie ersetzt Führungskräfte ohne System.“

Gerade im Finanzbereich verändern sich Arbeitsweisen massiv. Reporting, Analyse und Prognosen können heute durch moderne KI-Systeme in Sekunden erstellt werden. Entscheidend wird damit nicht mehr die reine Datenaufbereitung, sondern die Fähigkeit, aus Daten die richtigen Entscheidungen abzuleiten.

Viele Unternehmen stehen laut Behnke vor einer strukturellen Herausforderung. Die vorhandenen Berichtssysteme liefern zwar umfangreiche Zahlen, führen jedoch häufig nicht zu schnelleren Entscheidungen.

„Der Engpass liegt nicht mehr in der Information. Der Engpass liegt in der Interpretation.“

Besonders deutlich wird dieser Wandel in Krisen- und Turnaround-Situationen. Dort entscheiden Geschwindigkeit, Transparenz und Steuerungsfähigkeit über den Fortbestand eines Unternehmens.

Als Interim CFO begleitet Behnke regelmäßig Mandate, in denen innerhalb weniger Tage Klarheit über Liquidität, Risiken und operative Steuerung geschaffen werden muss.

Der erste Blick in ein Unternehmen folgt dabei meist einer einfachen Logik.

Wie viel Cash ist vorhanden
Wie lange reicht die Liquidität
Welche Risiken bedrohen das Geschäftsmodell

Diese drei Fragen entscheiden häufig darüber, wie viel Zeit einem Unternehmen überhaupt noch bleibt.

Mit der zunehmenden Nutzung von KI-gestützten Analysen verändert sich jedoch auch die Erwartung an Manager selbst. Fachliche Erfahrung allein reicht immer seltener aus.

„Die Zukunft gehört Managern, die Erfahrung mit Systematik verbinden. Erfahrung ohne Daten wird zunehmend ersetzt.“

Behnke sieht darin nicht nur eine technologische Entwicklung, sondern eine strukturelle Veränderung des Managementmarktes.

Unternehmen erwarten heute Führungskräfte, die Daten, Technologie und unternehmerische Entscheidungen verbinden können.

Interim Manager spielen dabei eine besondere Rolle. Sie werden häufig in Situationen eingesetzt, in denen schnelle Entscheidungen und klare Steuerung notwendig sind.

„Interim Management war immer eine Disziplin der Umsetzung. Mit KI wird diese Fähigkeit noch wichtiger.“

Der Markt für Interim Management wächst seit Jahren, gleichzeitig steigen jedoch auch die Anforderungen an Erfahrung, Geschwindigkeit und Ergebnisorientierung.

Für Behnke ist die Entwicklung eindeutig.

„Die nächsten Jahre werden zeigen, wer wirklich steuern kann – und wer nur berichtet.“

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