Die NextGen Studie 2026 der Gesellschaft für Qualitätsprüfung zeichnet ein detailliertes Bild einer Generation junger Erwachsener und deren Verhältnis zum Thema Finanzen. Die Ergebnisse könnten den einen oder anderen überraschen und sind gleichzeitig in Teilen ein Weckruf für klassische Banken. Kai Fürderer, Mitglied der Geschäftsleitung der Gesellschaft für Qualitätsprüfung, fasst im Interview die wichtigsten Erkenntnisse der Studie zusammen und bewertet deren Bedeutung für die Zukunft der Regionalbanken.
Redaktion (RD): Hochgradig technologieaffin, werteorientiert, kritisch, kommunikativ, sozial engagiert und kreativ aber gleichzeitig auch wenig belastbar, ängstlich und schnell frustriert, unentschlossen, egozentrisch und extrem anspruchsvoll: Wenn es darum geht, die Generation Z zu beschreiben, zeigt sich ein sehr ambivalentes Persönlichkeitsbild. Spiegelt das auch die NextGen Studie 2026 wider?
Fürderer: Tatsächlich gelingt es auch unserer Studie nur bedingt, festzustellen, dass die Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen – so haben wir die Studienpopulation eingeschränkt – exakt so oder so „tickt“. In einzelnen Bereichen zeigt sich eine stärkere Varianz, die eine größere Individualität widerspiegelt. Trotzdem liefert die repräsentative NextGen Studie 2026 belastbare Erkenntnisse, die Aufschluss über Interessen, Erwartungen, Präferenzen und Angewohnheiten der Altersgruppe geben, wenn es um das Thema Finanzen geht.
RD: Und welches Ziel verfolgen Sie mit der Studie?
Fürderer: Zweierlei: Zum einen ist die Studie für sich bereits ein wertvolles Instrument der Qualitätskontrolle und der strategischen Planung für Banken vor Ort. Sie zeigt in der Gesamtbewertung, dass entgegen der verbreiteten Annahme die im Alltag hochgradig digitalisierte Generation in Fragen des Zahlungsverkehrs, der Geldanlage und der Vorsorge nicht ausschließlich auf ein digitales Angebot setzt. Zum anderen hat die Studie für uns einen praktischen Nutzen. Sie liefert uns eine solide Grundlage für den Young Finance Award 2026, mit dem wir überprüft haben, wie gut Banken sich bereits auf die junge Zielgruppe eingestellt haben.
RD: Welche wesentlichen Erkenntnisse liefert die NextGen Studie 2026?
Fürderer: Wie schon erwähnt ist die zentrale Erkenntnis der Studie, dass für die Gen Z eine persönliche Beratung in Finanzfragen deutlich wichtiger ist als man bei den vielbeschworenen „Digital Natives“ wahrscheinlich angenommen hat. In der repräsentativen Umfrage geben mehr als drei Viertel der Befragten an, dass ihnen die persönliche Beratung zumindest „wichtig“ ist. Gleichzeitig sollte vor allen Dingen die Verantwortlichen von Banken interessieren, dass im gleichen Atemzug nur die Hälfte der Studienteilnehmenden das entsprechende Angebot ihrer Bank als zumindest „gut“ bewerten. Eine Lücke, die zu denken geben sollte.
RD: Heißt das für Banken, dass sie nicht weiter in ihr digitales Angebot investieren müssen?
Fürderer: Das wäre sicherlich keine gute Entscheidung. Die NextGen Studie 2026 zeigt natürlich auch, dass junge Erwachsene in Finanzfragen großen Wert auf ein digitales Informations- und Serviceangebot legen und das Banken im Bereich digitaler Beratung die Erwartungen der Zielgruppe weitgehend erfüllen. Daneben spielen die sozialen Medien eine wichtige Rolle und vor allen Dingen das Thema KI gewinnt immer mehr an Bedeutung. Trotzdem betonen die Studienergebnisse in allen Bereichen den Faktor Mensch: Zum Beispiel sind junge Erwachsene durchaus daran interessiert, sich per Online-Chat informieren und beraten zu lassen. Dabei ist es ihnen jedoch wichtig, dass auf der anderen Seite ein echter Mensch mit ihnen interagiert und kein emotionsloser Chat-Bot.
RD: Sie sprechen das Thema KI an – liegt die Zukunft in KI-Anlageberatung und Fintechs?
Fürderer: Wir benutzen natürlich keine magische Glaskugel, aber soweit es sich aus den Studienergebnissen ableiten lässt, ist das Thema KI mehr als ein kurzlebiger Trend. Zum Beispiel ist es der KI in Gestalt von ChatGPT und anderen KI-Chatbots bereits gelungen, Google als bevorzugte Beratungsquelle hinter sich zu lassen. Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, dass Google zumindest minimal größeres Vertrauen genießt. Außerdem bleibt auch hier die wichtigste Erkenntnis, dass als vertrauenswürdigste Quellen Freunde und die Familie mit 17 % auf Platz 2 (zwischen KI-Tools und Google) liegen.
RD: Können die Banken also aufatmen?
Fürderer: Die Genz Z ist für Banken vor Ort noch nicht verloren. Nicht zuletzt sind 45 % der Befragten Kunden einer lokalen Sparkasse und das klassische Girokonto sowie Bargeld und Girocard sind die wichtigsten Bankprodukte im Alltag junger Erwachsener. Das heißt aber nicht, dass sie sich, wie früher ihre Eltern und Großeltern, in Finanzfragen automatisch der Hausbank in Treue verbunden fühlen. Als ein Grundsatz der Generation lässt sich herausstellen, dass junge Erwachsene dazu tendieren, sich das Beste aus allen Welten – der realen und der digitalen – zusammenzustellen. Sie besitzen bspw. ein Girokonto bei ihrer lokalen Sparkasse, nutzen zum Bezahlen die Girocard aber im gleichen Umfang nutzen sie mit ihrem Smartphone Apple Pay oder Google Pay. Sie nutzen die Banking-App ihrer Hausbank, aber gerade einmal 7 % belassen es dabei, die anderen nutzen ebenso selbstverständlich PayPal und gerade männliche Teilnehmer erweitern ihren Horizont bereits heute mit Apps u.a. von Trade Republic oder Revolut.
RD: Also sind Neobanken eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Bank vor Ort?
Fürderer: Auf jeden Fall sollten niedergelassene Banken sich bewusst sein, dass fast die Mehrheit ihrer jungen Kunden und solcher, die es werden könnten, bereits mit der einen oder anderen App rein digital agierender Finanzdienstleister arbeiten. Das bedeutet nicht nur, dass sie sich fragen sollten, was diese zu bieten haben, was sie selbst vielleicht nicht anbieten. Sie sollten außerdem erkennen, dass Nutzer von Neobanken eine spezifische Zielgruppe sind, die individuelle Voraussetzungen und Erwartungen haben. Wer eine Neobank nutzt, hat sich in der Regel bereits mit Finanzthemen auseinandergesetzt und entsprechend hohe Erwartungen an eine Bankberatung und an ein entsprechendes Informationsangebot.
RD: Wenn Sie die Ergebnisse der NextGen Studie 2026 zusammenfassen, was wäre Ihr Rat an die Banken vor Ort?
Fürderer: Zuerst einmal möchte ich den Banken vor Ort Hoffnung machen: So modern und online-affin junge Erwachsene der Gen Z auch sein mögen, sie sind im persönlichen Umgang alles andere als beratungsresistent. Sie kennen hier kein Entweder-oder, sondern kombinieren alle Angebote, die ihnen zur Verfügung stehen. Das heißt für Banken, dass Sie gezielt „zweigleisig“ fahren sollten. Ohne persönliche Beratung geht es weiterhin nicht. Hier müssen die Banken deutlich nachbessern, um der Zielgruppe gerecht zu werden. Aktuell bleiben sie in allen Bereichen, in Ehrlichkeit und Transparenz, in Verständlichkeit, in ihrer Reaktionsgeschwindigkeit und vor allen Dingen in der Qualität der persönlichen Beratung deutlich hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig muss das digitale Angebot weiter ausgebaut werden, wenn die Banken vor Ort verhindern wollen, dass junge Kunden Schritt für Schritt zu Neobanken wechseln. Gerade das Thema KI wird hier in den nächsten Jahren spannend werden. Sich hier auf einen Konkurrenzkampf einzulassen, wird schwer werden. Noch ist das Vertrauen in die Beratung durch den Algorithmus gering, das kann sich aber schnell ändern. Banken sollten versuchen, das Thema selbst aufzugreifen und die KI gezielt mit dem eigenen Beratungsangebot kombinieren, also, so wie es die Genz Z tut, das Beste aus zwei Welten zusammenbringen. Das gilt auch besonders für die eigene Positionierung, wenn es um Suchanfragen geht.
RD: Sie haben parallel die Ergebnisse des Young Finance Award 2026 veröffentlicht. Können Sie kurz noch etwas dazu sagen?
Fürderer: Wie schon ausgeführt bildet die NextGen Studie die Grundlage für den Young Finance Award, mit dem wir die Gewinner als „Exzellente NextGen Banken“ ausgezeichnet haben. Auch hier kombinieren wir die Orientierungshilfe für Verbraucher auf der Suche nach einem Partner für die individuellen Finanzprojekte mit der Qualitätskontrolle für Banken. Die Ergebnisse liefern ein Ranking der besten Banken in vier separaten Bundesländern – Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen – sowie in drei Regionen – Mitte, Nord und Ost.
Die Bewertung erfolgt nach Schulnoten die es den Lesern ermöglichen, die Leistung zuverlässig zu bewerten und zu vergleichen.
Wie bei allen unseren Testformaten nutzt auch der Young Finance Award eine systematische Methodik und einen standardisierten Frage- und Analysebogen. Dabei wird die Leistung der Banken im Test in fünf Kategorien bewertet. Der Digital-Check widmet sich der Website der Banken und prüft das vorhandene Informations- und Serviceangebot. Daneben wird die Qualität in Hinblick auf eine persönliche Finanzplanung bewertet, indem zum Beispiel das auf die Bedürfnisse junger Erwachsener zugeschnittene Angebot geprüft wird. Außerdem hinterfragt der Test, wie sich die Banken jeweils auf LinkedIn und auf Instagram präsentieren und ob sie insgesamt authentisch und konsistent im digitalen Ökosystem auftreten.
Die Ergebnisse können online eingesehen werden und liefern einen guten Eindruck davon, wie weit fortgeschritten Banken in Bezug auf die junge Zielgruppe sind. Positiv lässt sich dabei feststellen, dass 131 Regionalbanken, also knapp die Hälfte des Testfelds, mit der Gesamtnote 2,0 oder besser abgeschnitten haben.
Hier geht´s direkt zu den ausgezeichneten „NextGen Banken 2026“.
Ergebnispräsentation und Zusammenfassung der „NextGen Studie 2026“.
Die Gesellschaft für Qualitätsprüfung ist eine Gesellschaft, die sich ausschließlich mit der fundierten Qualitätsprüfung auf Basis von anerkannten Qualitätsstandards und Normen beschäftigt.
Wir – die Gesellschaft für Qualitätsprüfung – sind seit langem intensiv damit beschäftigt, die Finanzwelt mit den Augen des Kunden zu betrachten, denn die einzig relevante Instanz zur Bewertung von Güte (von Produkten und/oder Dienstleistungen) ist DER KUNDE und nur DER KUNDE!
Bei dieser Bewertung einer „gelebten Qualität am Kunden“ geht es neben der Kundenperspektive auch um die Anforderungen des Verbraucherschutzgedankens bzw. die Vorgaben aufgrund von aktuellen Standards und Regeln, die es in einer exzellenten Finanzberatung einzuhalten gilt.
Komplexe Beratungssachverhalte anschaulich, transparent und vor allem vollständig und korrekt zu präsentieren, ist nicht nur in der Bankenwelt eine ständige Herausforderung, sondern auch eine große Verantwortung gegenüber dem Kunden.
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